Verfasst von: [aapa] | 16. September 2011

[wake up!] Antifa-Demo am 17. September in Deggendorf

Seit Jahren ungehindert: Deggendorf ist „Homezone“ für Neonazis

Niederbayern ist Hochburg neonazistischer Umtriebe. Speziell in Deggendorf können die parteilosen Nazis vom „Nationalen Bündnis Niederbayern“ (NBN) in enger Zusammenarbeit mit der NPD ungehindert agieren. Die Gaststätten „Gruber“ und „Zum Pumuckl“ dienen der rechten Szene dabei regelmäßig als Veranstaltungsorte für Vorträge, Lieder- und Kameradschaftsabende. Ungestört veranstalten die Neonazis in Deggendorf eine Vielzahl an Veranstaltungen und Kundgebungen. Diese greifen vermeintlich bürgernahe Themen auf, um nationalistische, antisemitische, rassistische, sexistische und homophobe Gesinnung zu propagieren. So demonstrierte beispielsweise das NBN in Deggendorf schon im September 2009 „gegen Kinderschänder“ – verschwieg dabei aber, wie die Am Sonntag schrieb, ‚Täter in den eigenen Reihen‚.

"Kinderschutzdemo" des NBN am 19. September 2009 in Deggendorf

"Kinderschutzdemo" des NBN am 19. September 2009 in Deggendorf

Seither sind die rechten Strukturen weiter rasant erstarkt: Neben besorgniserregendem Mitgliederzuwachs hat das NBN auch eine Vernetzung der niederbayerischen Neonazi-Gruppen geschaffen. Mit Hilfe dieser Infrastruktur agieren die Nationalisten niederbayernweit geschlossen und spontan, erreichen und mobilisieren Aktivist_Innen aus erweitertem Einzugsbereich. Ob Flugblattaktion oder Angriff auf politische Gegner_Innen – vom NBN organisierte Aktionen gehören in Niederbayern inzwischen zur Normalität. In Deggendorf verdeutlichte dies zuletzt der Angriff von rund 15 Angehörigen des NBN auf die Teilnehmer_Innen einer angemeldeten Kundgebung gegen den Besuch des Rechtspopulisten Thilo Sarrazin am 23. Juni 2011 in Deggendorf.

Nutzen für Neonazis: Versäumnisse von Stadt und Presse

Die Deggendorfer Presse zeigt während dieser Entwicklung kein Interesse an recherchierter und differenzierter Berichterstattung, weder über die öffentlichen Veranstaltungen der Rechten noch über deren Aktionen und Übergriffe. Die wenigen Berichte und Artikel geben nur ein reduziertes Bild der Geschehnisse als Fehde zwischen rechter Szene und linken Gruppen wieder. Auch von Seiten der Stadt gab es bisher kaum Bestrebungen, gegen die inzwischen gut vernetzte extrem rechte Szene zu intervenieren.

Diese Versäumnisse der Lokalpolitik einerseits und der Presse andererseits führen dazu, dass der Großteil der Bürger_Innen Deggendorfs weder die Problematik der erstarkenden rechten Szene kennt noch das öffentliche Auftreten der Nazis ablehnt. So erfreuen sich Nazis in Deggendorf regelrecht einer „Homezone“.

Öffentlichkeit schaffen: „wake up!“-Demo in Deggendorf

Es gilt, öffentliche Aufmerksamkeit – Sensibilisierung gegen und Skandalisierung des NBN – zu schaffen. Daher rufen wir gemeinsam mit anderen antifaschistischen Gruppen aus Bayern zu einer Demonstration gegen das NBN und andere rechte Umtriebe in Deggendorf auf, um öffentlichkeitswirksam auf die Problematik der Nazi-Szene in Deggendorf und dem sonstigen Niederbayern aufmerksam zu machen sowie diese in den Fokus der Presse zu rücken.

Los geht’s am kommenden Samstag (17. September) um 14.30 Uhr am Hauptbahnhof in Deggendorf.
Die Nummer des Ermittlungsausschusses: 0163 7540496
Weitere Infos zur Demo auf dem Blog der Antifa Straubing: www.aak-sr.tk

„Zeigen wir gemeinsam, dass es auch in der niederbayerischen Provinz keinen Raum, keine Kneipe, keinen Dorfplatz und keine Straße für die Nazis geben darf! WAKE UP! Nazistrukturen aufdecken! Nationales Bündnis Niederbayern zerschlagen!“, schreibt die Antifa Straubing in ihrem Aufruf zur Demo.

Nationales Bündnis Niederbayern zerschlagen: Das „wake up!“-Label

Hass-Brief„wake up!“ setzt zur Zerschlagung des NBN auf Recherche, Aufklärungsarbeit und öffentlichkeitswirksame Aktion. Unter dem Motto „wake up!“ fand bereits vergangenen Samstag in Straubing eine Kundgebung gegen die rechten Umtriebe in Niederbayern statt (Wochenblatt 09. 09.11). Vorrausgegangen waren ein Hassbrief, den Neonazis an den Vorsitzenden des Straubinger Ausländer- und Migrationsbeirats sendeten sowie Beschädigungen am „Roten Häuschen“ (Wochenblatt 08.09.11), dem Straubinger Treffpunkt von Antifa und Jusos. Das NBN hatte gegenmobilisiert und unweit der Antifa-Kundgebung einen Infostand aufgebaut (Wochenblatt 10.09.11).

Wir rechnen am kommenden Samstag in Deggendorf mit weiteren Gegenaktionen des NBN.


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