Verfasst von: [aapa] | 10. September 2011

[wake up!] Über das Nationale Bündnis Niederbayern

Eingegliedert in das „Freie Netz Süd“ (FNS) vereint das „Nationale Bündnis Niederbayern“ (NBN) alle parteilosen Nazi-Gruppen in Niederbayern, vereinzelt auch Gruppen aus dem grenznahen Oberösterreich.

Erschließung und Eingliederung: Die Entstehung des NBN

Hervorgegangen war das NBN 2009 aus der kurz zuvor entstanden Gruppe „Freien Nationalisten Bayerischer Wald“ (FNBW) um Walter Strohmeier (aus Drachselsried/Viechtach) und schon länger existierenden niederbayerischen Nazi-Gruppierungen. Strohmeier tat sich als Initiator des NBN hervor. Aber auch Matthias Fischer aus Fürth (Ex-Anhänger der verbotenen „Fränkischen Aktions-Front“) stieß gemeinsam mit rechtsradikalen Gruppen aus Cham, Nürnberg und Tirschenreuth die Vernetzung niederbayerscher Gruppen wesentlich an. Fischer, der nach einem Richtungsstreit in der NPD im November 2008 der Partei den Rücken kehrte, verfolgt seither die Schaffung von parteilosen Strukturen und ist einer der Gründer des FNS. Fischer und weitere Angehörige des FNS hatten auch wesentlichen Anteil an der Organisation und Durchführung einer Demonstration am 9. Mai 2009 in Regen, mit der nicht zuletzt die neuen Strukturen im Bayerischen Wald und die Gründung des NBN gepusht sowie für etliche jugendliche Neumitglieder attraktiv gemacht wurden.

Latente Gefahr: Das Potential des NBN

Inzwischen erstreckt sich der Einzugsbereich der Vernetzung über den bayerischen Wald bis Landshut und Passau sowie nach Österreich, speziell nach Schärding. Mit dieser Struktur schaffen sich die Nazis in Niederbayern seit 2009 eine neue Form der überregionalen Vernetzung, welche längst über ein bloßes Informations- und Kommunikationsnetzwerk zwischen den lokalen Gruppen hinaus geht. Die Vernetzung ermöglicht den Gruppen kollektive und geschlossene Mobilisierung und Aktivität. Dies äußert sich einerseits durch öffentliche Veranstaltungen, die durch wechselseitige Unterstützung und enge Zusammenarbeit mit den örtlichen Kreisverbänden und dem Bezirksverband der NPD organsiert werden – andererseits durch koordinierte Aktionen, Störungen antifaschistischer Vortragsveranstaltungen und gewalttätige Übergriffe auf Andersdenkende, Andersgläubige und Menschen mit sog. „Migrationshintergrund“.

Das NBN plante gar Angriffe auf die Teilnehmer_Innen von antifaschistischen Kundgebungen in Buchhofen (Osterhofen) und Braunau. Bei einem geheim geglaubten Treffpunkt für den Angriff in Buchhofen stellte die Polizei Holzlatten mit Nägeln und eine verbotene Stichwaffe sicher. Ein weiteres Beispiel von vielen ist der Übergriff vom 12. März 2010 in Straubing, bei dem zwei Antifaschisten auf offener Straße von bekannten NBN-Aktivisten körperlich massiv bedroht und nur Dank des Pfeffersprays eines der Antifaschisten nicht verletzt wurden.
Zuletzt versuchten in Deggendorf am 23. Juni 2011 rund 15 Angehörige des NBN eine angemeldete Kundgebung gegen den Besuch des Rechtspopulisten Thilo Sarrazin anzugreifen. Unter ihnen befand sich auch der vor kurzem aus der Haft entlassene Martin Wiese, der einen Sprengstoffanschlag auf die Grundsteinlegung des jüdischen Zentrum in München geplant hatte.

Intervention bleibt essentiell: Das NBN zerschlagen!

Für eine wirksame Zerschlagung des NBN sehen wir, die Antifaschistische Aktion Passau [aapa], die Öffentlichkeit zu wenig über die Entwicklungen, Zusammenhänge und Aktivitäten der niederbayerischen Nazi-Szene aufgeklärt. Deshalb verfolgen wir eine konsequente Recherche und erachten öffentliche Information und die Skandalisierung des NBN als notwendig. Mangelndes Interesse seitens der Lokalpolitik und Presse waren hierbei bisher ebenso wenig dienlich wie Repressalien. Wir begrüßen und unterstützen die Projekte, die derzeit unter dem sehr passenden Label „wake up!“ laufen. Sie wollen eben eine solche öffentliche Aufmerksamkeit schaffen. Wie die Antifa aus Straubing in einem Interview richtig sagt, ist es „nötig darauf aufmerksam zu machen, dass es solche rechten Umtriebe auch in Niederbayern gibt, denn wenn kein Mensch davon weiß, wird auch kein Mensch auf die Straße gehen um dagegen laut zu werden“.

Neben der Verbreitung rechtsradikaler Inhalte und der Rekrutierung ganzer ländlicher Cliquen als neue Mitglieder sehen wir aber ebenso die andauernde Gefahr von gewaltsamen Übergriffen, die vom NBN ganz eindeutig ausgeht, als Anlass zur Intervention! Letzteres erscheint uns noch deutlich zu wenig betont. Vor allem mit einer Gefahr für Flüchtlinge, die klar das Feindbild der NBN-Aktivist_Innen erfüllen, ist zu rechnen. Im NBN gab es bereits erste Überlegungen, konkret gegen Flüchtlingsheime vorzugehen! Angesichts unserer aktuellen Erfahrungen mit Asylpolitik und dem Landratsamt Passau sowie in unschöner Erinnerung an Lichtenhagen und Hoyerswerda, wo das Ignorieren klarer Hinweise auf rassistische Mobilisierung entscheidender Fehler war, kann weder vom Staat und der Regierung noch von der allgemeinen Öffentlichkeit mit einem Eintreten für Flüchtlinge gerechnet werden.

Ferner fragen wir uns, welche Alternativen es gäbe, sollte das Konzept der Skandalisierung als Mittel gegen das NBN nicht aufgehen, weil die Öffentlichkeit trotz Aufklärung nach wie vor keinen Anlass zu Intervention sieht – sei es aus Akzeptanz oder aus Ignoranz.

Eine Timeline, die alle uns bekannten Aktivitäten und Übergriffe des NBN und seiner Vorgänger-Gruppierungen dokumentiert, veröffentlichen wir in Kürze.

[aapa] Antifaschistische Aktion Passau

Mehr über das NBN (und das FNS):
[wake up!]_Das_NBN Infobroschüre des aak-sr (Antifa Straubing)
Nazistrukturen in Bayern – Das Freie Netz Süd Infobroschüre der ALF (Antifa Fürth)
Das Freie Netz Süd Info-Seite des a.i.d.a.-Archivs München


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  3. […] Hochburg neonazistischer Umtriebe. Speziell in Deggendorf können die parteilosen Nazis vom „Nationalen Bündnis Niederbayern“ (NBN) in enger Zusammenarbeit mit der NPD ungehindert agieren. Die Gaststätten […]

  4. […] Monaten um den entlassenen Rechtsterroristen Martin Wiese eine neue Kameradschaft, die auch im Nationalen Bündnis Niederbayern (NBN) mitwirkt. Seit Mitte 2011 sind in Niederbayern wieder verstärkt Aktivitäten um die […]

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