Verfasst von: [aapa] | 26. Juli 2008

Update 26.07.08: Begräbnis von Friedhelm Busse und Neonazi-Demonstration in Passau; gewalttätige Ausschreitungen gegenüber mehreren Personen

Die unbedingte Notwendigkeit, in Passau entschlossen gegen Rechtsextremismus vorzugehen, zeigen die Ereignisse des 26.07.08. Für diesen Tag war das Begräbnis des bis zu seinem Tod in Passau wohnhaften Altnazis und ehemaligen SS-Mitglieds Friedhelm Busse anberaumt. Um 8:30 Uhr hatten sich dazu etwa 80 Rechtsextreme, darunter Naziprominenz aus dem gesamten Bundesgebiet, auf einem Friedhof im fünf Kilometer von Passau entfernten Patriching eingefunden. Während der Zeremonie mit Reden von unter anderem Udo Voigt, wurden (verbotene) nationalsozialistische Lieder gesungen. Währenddessen legte der Hamburger Neonaziführer Thomas „Steiner“ Wulff eine Reichskriegsflagge mit Hakenkreuz auf den Sarg des Verstorbenen. Die anwesende und beobachtende Polizei hielt es nach eigenen Angaben für unangebracht, zu diesem Zeitpunkt einzugreifen. Unmittelbar nach der Feier griffen etwa 40 der 80 Neonazis einen Pressefotografen an, drängten ihn in eine Ecke der Kirchenmauer, traten und schlugen ihn und versuchten ihm die Kamera zu entreißen. Der Polizei gelang es erst nach einigen Minuten und einem Pfeffersprayeinsatz, ihn aus dem wütenden Mob zu befreien, wobei sie selbst angegriffen wurde. Im Folgenden wurden mehrere Nazis festgenommen, darunter Thomas Wulff und Philipp Hasselbach aus München. Der Rest der Rechtsextremen zog daraufhin in die Stadt Passau, wo sie am frühen Nachmittag eine Demonstration „gegen Polizeiwillkür“ von der Polizeiwache in die Innenstadt durchführten. Dabei wurde einem jungen Mann von dem bekannten Münchner Neonazi Markus Manuel Heine mit einer Fahnenstange ins Gesicht geschlagen, was von einem Polizist lediglich mit „klar ist das Körperverletzung, aber wenn wir den festnehmen gibt’s ’ne Straßenschlacht“ kommentiert wurde. Weiterhin wurde eine Frau, wohl wegen ihres migrantischen Aussehens, von zwei Neonazis geohrfeigt. Die Polizei, die scheinbar nicht gänzlich tatenlos zusehen wollte, nahm daher, anstatt die Nazis in ihrem Treiben zu stoppen, 5 linke Aktivisten ohne erkennbaren Grund auf „Anordnung durch Polizeidirektor Mannichl“ hin in Gewahrsam. Für den Rest des Abends konnte sich keineR, der oder die dem Feindbild der Nazis entspricht, angstfrei auf Passaus Sraßen wagen.

Zusammenfassend kann mensch feststellen, dass dieser Tag von schrecklichen Ausschreitungen militanter Neonazis einerseits und von einem vollkommen chaotischem Einsatz der Polizei andererseits gekennzeichnet war, die teils nicht in der Lage, teils nicht willens war, die Straftaten der RechtsextremistInnen erfolgreich zu verhindern. Aufgrund dieser Ereignisse möchten wir, die Antifaschistische Aktion Passau [aapa], erneut an alle AntifaschistInnen appellieren, uns bei unserer Demonstration am 09.08.08 zu unterstützen. Bekämpfen wir den Rechtsextremismus in Passau und sonstwo gemeinsam! Lassen wir nicht zu, dass Naziterror widerstandslos hingenommen wird!

[aapa]

Ausführlichere Informationen zu den Ereignissen in und um Passau am 26. Juli 08:
Artikel des Aida-Archivs München (aida-archiv.de)
Artikel von Robert Andreasch (netz-gegen-nazis.de)
Indymedia-Artikel: [ 1 ] [ 2 ] [ 3 ]


Responses

  1. […] Busse am 26. Juli 2008 kam es zu massiven Ausschreitungen der 80 teilnehmenden Neonazis (aapa berichtete). Auf dem Friedhof in Patriching griffen 40 von ihnen einen Journalisten an. Sie drängten ihn in […]

  2. […] Altnazis Friedhelm Busse in Patriching bei Passau in Ausschreitungen und gewaltsamen Übergriffen ([aapa] berichtete damals ausführlich). Zu den Jahrestagen dieses Begräbnisses kam es immer wieder zu Aktionen der Nazis. “Gerade […]


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